Geboren wurde ich am Mittwoch dem 21. April 1965 im St. Josefs Krankenhaus in Wien.

Am selben Tag kamen auch mein Zwillingsbruder und meine Cousine zur Welt (beide sind leider nicht mehr unter uns).

Ich durfte eine unbeschwerte Kindheit im 9. Wiener Gemeindebezirk, im burgenländischen Seewinkel und dem steirischen Aflenz, bei meinen Großeltern, verbringen.
Ich durfte mir die Knie aufschlagen, in Wäldern Abenteurer spielen und mich beim Schnitzen mit dem Taschenmesser verletzen.

Als ich 3 Jahre alt war, durfte ich die Aufmerksamkeit meiner Eltern mit meiner Schwester teilen, als ich 9 Jahre alt war nahm ich dann das Nesthäkchen unter meinen Schutz.

Ich besuchte dieselbe Volksschule wie meine Mutter in der Währinger Straße 43.
Nach Abschluss derselben führte mein Schulweg mich dann in das Gymnasium in der Wasagasse.

Die Welt schien noch in Ordnung damals.

In den damals noch vielfach vorhandenen Zuckerlgeschäften konnte man einzelne Süßigkeiten stückweise kaufen.
Es fuhren weniger, aber viel schönere Autos und das Parken war überall gratis möglich.
Die Straßenbahnen fuhren stellenweise unter die Erde (z.B. E2, G2, H2) und U-Bahnen gab es noch nicht.
Die Pakete der Post wurden mit elektrisch betriebenen Lastfahrzeugen transportiert, die später von der Bildfläche verschwanden, und die Votivkirche hatte kein Gerüst und keine Riesenwerbung vor dem Haupttor.

Ja, ich wohne immer noch in jener Wohnung, für die mein Großvater 1942 den Mietvertrag unterschrieben hatte (den ich noch im Original habe). Leider nicht zu den Preisen von damals.

Ich lernte im Seewinkel die Natur kennen und Fahrrad zu fahren.

Mir wurde beigebracht auch auf andere zu schauen, auf den Verkehr zu achten, dass Lastwagenfahrer nicht den ganzen Bereich um das Fahrerhaus herum einsehen können und dass man selbst aufpassen muss, um nicht unter die Räder zu kommen. Das nahe Rehabilitationszentrum des Kriegsopferverbandes lehrte mich früh, dass eine Behinderung nichts ist, worüber man Witze macht.

Mein Vater war Zahntechniker und hatte das Labor meist in der Wohnung eingerichtet. Meine Mutter war bei ihm angestellt und so waren meine Eltern eigentlich immer zu Hause, selbst, wenn sie arbeiteten.

1980 erfüllte ich mir einen Traum. Ich arbeitete in den Sommerferien in einem Supermarkt und verkaufte 7 Tage die Woche Obst und Gemüse. Mit den 3000 Schilling, die ich dafür bekam, erwarb ich mein erstes Motorfahrzeug.
Eine Puch MC 50 II. Vom Vorbesitzer etwas vernachlässigt und lieblos mit einem Pinsel schwarz angemalt. Aber es war meine Fahrkarte in die Freiheit. Ich konnte weiter wegfahren, als mit dem Fahrrad und ich konnte jemanden mitnehmen. Bis dahin musste ich zwar noch warten, bis ich 16 wurde, aber in der Zwischenzeit übte ich auf den Feldwegen. Die Puch habe ich heute noch und sie sieht etwas besser aus, als damals.

1981 war ein weiteres bemerkenswertes Jahr. Mit 2 „Nicht Genügend“ im Zeugnis hatte ich 2 Optionen. 2 Monate lang lernen, um die Nachprüfung zu schaffen, oder meinen Onkel zu besuchen. Ich entschied mich für Letzteres und verbrachte die gesamten Sommerferien in Amerika.

Ich durfte im Waldorf Astoria in New York wohnen.
Ich sah die Segelschiffe im Hafen von St. Augustin.
Ich fuhr auf der „Maid of the Mist“ unter den Niagarafällen
Ich schwamm in Virginia Beach im Meer.
Ich segelte vor den Outer Banks
Ich erlebte die Beach Boys live in Washington D.C. am 4. Juli und vieles mehr.
Englisch (ich hatte seit der 3. Klasse Volksschule Englischunterricht) war seitdem für mich keine Fremdsprache mehr.
Die 6. Klasse Gymnasium habe ich mir dafür zweimal gegeben.

Ich lernte das Berufsleben kennen, da ich Ferialjobs bei der Post annahm und einen Sommer im 8. Bezirk Briefe austrug, einen weiteren am Südbahnhof Pakete zur Verzollung vorbereitete.

Als junger Briefträger hatte man es damals nicht leicht.
Im 8. Bezirk gab es scheinbar viele alleinstehende Frauen, die dem jungen Kerl, der mit Briefen selbst bis in den letzten Stock hinaufging, nicht selten eine Kaffee anboten oder die Türe im halbdurchsichtigen Negligé öffneten. Doch ich widerstand allen Versuchungen.

Auch bei der Paketverzollung machten mein Ferialpraktikanten-Kollege und ich bald Bekanntschaft mit dem Beamtentum, als uns die angestellten Postbediensteten baten, doch nicht so schnell zu arbeiten, sie hätten doch keinen Platz mehr für die vielen Pakete, die wir fertig machten.

1983 wurde am Auto meiner Mutter ein „L“ montiert und ich durfte unter Anleitung meines Vaters Autofahren lernen.

Die Theorie wurde aus Büchlein der „Perlen Reihe“ gelernt und ich verbrachte viel Zeit in der Tanzschule.
Dort lernte ich meine erste Freundin kennen, mit der ich heute noch Kontakt habe.
Die Führerscheinprüfung wurde bestanden und mein Vater hatte damit einen Fahrer, der seine Abrieten zu den Kunden bringen konnte. Der Motorradschein war damals nicht drinnen.

Zum 19. Geburtstag bekam ich mein erstes Auto, einen Mercedes 230 „Strich Acht“ und mit dem fuhr ich dann in die Neulandschule in Oberlaa, in der ich 1984 maturierte.

Am Tag der Matura zuckelte vor mir ein übergewichtiger Typ mit Stoppelglatze im VW-Käfer herum.
An der letzten Kreuzung überholte ich ihn mit quietschenden Reifen mit dem Mercedes, bog in die Gasse zur Schule ein, parkte meinen Wagen am Schulparkplatz und ging ins Gebäude.
Beim Überholen hatte ich noch den grauen Nadelstreifanzug gesehen, den er trug.
Kurz darauf wurde uns der Vorsitzende der Prüfungen vorgestellt.
Ein etwas übergewichtiger Typ mit Stoppelglatze und grauem Nadelstreifanzug.
Was war ich froh nicht in der ersten Reihe zu stehen.

Im gleichen Jahr nahm mein Vater einen Job in Kuwait an und Eltern und Schwestern lebten bis 1990 dort. Ich hatte eine große Wohnung, die durch Untervermietung an Südtiroler Studenten finanziert wurde zur Verfügung und begann das Medizinstudium. Ich wohne im Haus neben der medizinischen Universität und in den Mittagspausen wurde von mir für mich und meine Kommilitonen gekocht. War besser als die Mensa.

Die Südtiroler luden mich auf Spaghetti ein und als ich, wie ich es gelernt hatte, begann die Nudeln mit Gabel und Löffel zu essen sahen sie mich an, als käme ich von einem anderen Planeten.
Der Löffel würde mit aus der Hand genommen und dann musste ich lernen richtig Spaghetti zu essen. Eine Portion auf die Gabel, rein in den Mund und was raushängt abbeißen. Fällt eh wieder in den Teller zurück.

Eltern und Geschwister sah ich mehrmals jährlich, wenn ich zu Besuch fliegen durfte. Leistbar wurde das durch den Job meiner Mutter bei der Lufthansa, der günstige Tickets für Familienmitglieder einschloss.

Nach 2 Semestern Medizin legte mir der Leiter der Zahnklinik, ein ehemaliger Kunde meines Vaters, die Zukunftsaussichten als Zahnarzt dar und ich beschloss schon früher Geld zu verdienen.

Zuerst aber kam das Bundesheer dran. Im April 1085 rückte ich in die Maria Theresien Kaserne ein und durfte für die nächsten 6 Monate in der 4. Kompanie des Jägerregiments 21 meine Ausbildung zum Jäger, später PAR-Richtschützen, PAR-Truppkommandanten und PAR-Gruppenkommandanten durchlaufen. Dazu noch die vorbereitende Kaderausbildung. Mein Kompaniekommandant war Lt Puchwein, mein Spieß OStv Eismayer. Zu beiden habe ich heute noch Kontakt.

Der Mercedes soff mich inzwischen arm (29 l Super auf 100 km) und musste einem 2 CV 6 Spezial weichen.

Eines Tages, bei der Heimfahrt von der Kaserne, erreichte ich mit der „Ente“ am grünen Berg bergab 100 km/h laut Tacho und mit einem Mal verabschiedete sich das Rolldach und flatterte wie Supermans Cape hinter dem Fahrzeug her.
Gut, dass es günstige Ersatzteile im 18. Bezirk gab.

Nach dem Ende meiner Dienstzeit begann ich das WIFI-Wirtschaftsseminar, das mir die Karriere in einer Bank ermöglichen sollte, aber noch vor dem Abschluss des ersten Semesters hatte ich erkannt, dass mich mein programmierbarer Taschenrechner mehr interessierte als Wirtschaft. Ich bewarb mich telefonisch auf eine Stelle als Programmierer.
Das Telefonat verlief etwa so:

„Welche Programmiersprache soll es denn sein?“ „Cobol“ „Kann ich nicht.“
„Welche Computer wären es denn?“ „Philips P4000.“ „Kenne ich nicht.“
„Macht nichts, kommen’s vorbei“

Im Februar 1986 begann meine EDV-Laufbahn bei Pfundner in Wien 21.

Ich lernte zu programmieren und schrieb Programme für diverse Firmen in verschiedenen Sparten. Das erste Programm schrieb ich für einen ehemaligen Kunden meines Vaters.
Der 2 CV wurde durch einen BMW 320 (6-Zylinder) ersetzt.

1987 wechselte ich zu BEKO und programmierte weiter. Erstmals auch auf anderen Maschinen als Philips (IBM, Comparex) und wiederum für und bei verschiedenen Firmen im Umkreis von Wien.

Bei den Besuchen meiner Tante im Weinviertel hatte ich 1984 eine junge Frau kennen gelernt und heiratete sie im August 1987. Der BMW wich einem Renault 11.

Bald schon wurde die junge Ehe durch eine Tumorerkrankung schwer belastet und schließlich reichte meine Frau 1990 die Scheidung ein.
Aufgrund ihrer Erkrankung hieß es von da an viel Geld an eine Ex-Frau zu überweisen.

Ich wechselte von BEKO zu Brain Force und neben der Programmierung gab es bald auch Projekte zu betreuen.

Meine Eltern kamen aus Kuwait wieder zurück (meine Mutter in jener Maschine, in der Bundespräsident Waldheim Geiseln aus dem Irak nach Österreich zurückholen ließ) und siedelten sich in Norddeutschland an.
Meine Schwestern heirateten zogen nach Amerika und in die Niederlande.

Erste Auslandsaufenthalte kamen zu meinen Tätigkeiten. Tagsüber arbeitete ich als Programmierer und nachts in einem Lokal. Ich lernte wieder eine junge Frau kennen, der Renault 11 wurde durch einen Renault 21 ersetzt und im Juni 1992 heiratete ich erneut. Der Renault 21 wurde 2 Tage nach der Hochzeit bei einem Autounfall zu einem Totalschaden. Statt Hochzeitsreise gab es Halskrause und ein neuer Renault 21 wurde angeschafft.

Anfang 1993 verstarb meine Großmutter und das Haus in Aflenz wurde verkauft. Ich durfte im September die Nabelschnur eines Babys durchtrennen. Brian, mein Erstgeborener war auf der Welt.

Ich war bei meiner Frau in der Semmelweißklinik und die Krankenschwestern schickten mich nach Hause. Sie würden mich anrufen, wenn ich kommen sollte.
Am Morgen dann ein Anruf: „Herr Schluet, sie können kommen, ihre Frau weht gut“, klick, aufgelegt.
Was heißt „weht gut“? Komme ich noch rechtzeitig?
Ich sprang ins Auto und fuhr so schnell ich konnte in die Klinik.
Meine Frau spazierte am Ganz herum und begrüßte mich lächelnd, als ich im Laufschritt in die Station kam.

1995 beschloss ich endlich den lang ersehnten Motorradführerschein zu machen und meldete mich im Oktober in der Fahrschule an. Im Jänner 1996 bestand ich die Führerscheinprüfung und kaufte eine Honda Hawk.


Auch der Open Water Tauchschein war ein lange gehegter Wunsch, den ich mir im selben Jahr erfüllte, später kamen dann noch Advanced Open Water, Nitrox und Rescue First Aid dazu.
Der Divemaster scheiterte leider an der Schließung der Tauchschule.

Meine Frau, mittlerweile mit dem 2. Kind schwanger erwarb den B-Schein, der Renault 21 wich einem Megane und im März 1996 kam Pascal zur Welt.
Nicht ganz komplikationslos (Not-Kaiserschnitt) und neben dem Beruf durfte ich nun einen Sohn daheim versorgen, die Frau in einem Krankenhaus und den Neugeborenen in einem anderen besuchen.
Doch zu Ostern waren alle wieder daheim.

Die Jahre zogen ins Land und mit ihnen kamen andere Firmen, für die ich programmieren und Projekte leiten durfte. Ich lernte RPG III, C und IDEAL und schrieb ein Benutzerhandbuch für IBM.
Viele Jahre lang hatte ich mich gegen einen Computer in den eigenen 4 Wänden gewehrt, aber das war letztendlich ein aussichtsloser Kampf.

Ich lernte die TOY-RUN kennen und durfte mit Ernstl Graft und vielen anderen bis 2012 als eine der „Gelbjacken“ bei der Organisation mithelfen.
Die Motorräder wurden fast im Jahresrhythmus gewechselt und ich begann als Testfahrer für „Biker in Österreich“ zu schreiben.

2001 wechselte ich von Brainforce zu iT Austria und hängte die Programmierung an den Nagel. Im Schichtdienst war ich fortan für den Produktionsbetrieb verantwortlich.

Ich fuhr in den schichtfreien Zeiten viel Motorrad, ging tauchen und die Familie genoss einige Urlaube auf Fuerteventura.

Die Interessen änderten sich mit der Zeit und die Ehepartner hatten nach 16 Jahren nur noch wenig Gemeinsamkeiten.
So folgte, was folgen musste: Scheidung Nummer 2 im Oktober 2008. 2 Söhne im Teenageralter machten es weder einfach noch günstig.

Zeitgleich trat Ine in mein Leben und – wie man unschwer erkennen kann, bin ich kein Kind von Traurigkeit – folgte nach ein paar Jahren „wilder Ehe“ im August 2011 Ehe Nummer 3 für mich und Nummer 2 für Ine.
Besuche bei der Familie in Norwegen waren mehrmals jährlich angesagt und wir gönnten uns 2 Hunde, da wir ja keine gemeinsamen Kinder haben.

2009 flogen Ine und ich nach London und holten „Cleo“ ab, Ines MG-B GT von 1971.

Von London nach Dover fuhr Ine das rechtsgelenkte Fahrzeug auf den Straßen Englands.
Die Fähre brachte uns nach Calais und ich war froh das Navi mitgenommen zu haben. War zwar etwas deplatziert im Oldtimer, aber es zeigte zuverlässig den Weg.
Auf der Fähre drückte mir Ine überraschend die Schlüssel in die Hand und meinte „now you will do the driving“.
Super Idee. Mit einem rechtsgelenkten Fahrzeug in der Nacht durch Frankreich und Belgien nach Deutschland.
Die Scheinwerfer scheinen nach links, der Gegenverkehr ist dauernd geblendet und du kannst keine Wegweiser im Dunklen erkennen.
Trotzdem haben wir es bis nach Solingen zur Übernachtung geschafft.

2010 wurde die iT Austria geteilt und ich landete bei s IT Solutions.

2014 begann ich nach 14 Jahren Schichtdienst einen normalen Tagesjob im Technology Business Management, von dem ich 2019 – was für ein Zufall – in das Projektmanagement wechselte.
Da bin ich aktuell tätig und in meiner Freizeit beschäftige ich mich mit Wehrpolitik und den Rechten von motorradfahrenden Personen.
Ine erwarb 2014 ein nettes kleines Haus im Weinvierten mit großem Garten. Das Haus stellte sich leider als nicht ganz so toll dar, wie es ausgesehen hatte und so haben wir nun ein Renovierungsprojekt im Weinviertel.
Als unpraktisch erwies sich hier, dass wir erst 2013 ein Cabrio gekauft hatten.

Was in meiner Studentenzeit begonnen hat, macht mir heute noch Spaß. Allerdings koche ich nicht mehr für Kommilitonen, sondern für Ine und mich.

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Privatleben