Frauen

Ich und die Frauen …

Also bis zum 17. Lebensjahr war das andere Geschlecht nicht wirklich ein Thema.

Mit 2 jüngeren Schwestern waren die weiblichen Wesen in der Familie ohnehin in der Überzahl.

Das änderte sich mit dem Besuch der Tanzschule.

Dort war die Auswahl groß und so hatte auch ich dann schließlich eine Freundin, die es fast 2 Jahre mit mir aushielt. Bis heute ist der Kontakt nie abgerissen.

Ich war kein Kind von Traurigkeit, also war mein Single-Dasein nach nur eine Woche wieder beendet.
Auch diese Beziehung hielt etwa zwei Jahre, bis ich bei den Besuchen meiner Tante eine nette junge Dame kennen lernte. Sie zog schon bald bei mir ein und im August 1987 wurde geheiratet.

Nach 3 Ehejahren wurde die Beziehung auf eine harte Probe gestellt. Ein Gehirntumor wurde bei meiner Frau diagnostiziert und operativ entfernt. Er hat „nur Platz gebraucht“, also kein umliegendes Gewebe angegriffen, somit standen angesichts des Alters der Patientin die Chancen auf eine vollständige Genesung gut.
Weniger gut meinte es das familiäre Umfeld, das die junge Frau nur bedauerte, die wieder lernen musste zu sprechen und eine Körperhälfte zu kontrollieren.
Sie wurde mit Süßigkeiten vollgestopft und im Rollstuhl herumgeschoben.
Wenn ich sie aus dem Krankenhaus oder der Rehab-Klinik abholte, verlangte ich von ihr die 2-3 Meter vom Auto zum Rollstuhl zu gehen.
Das machte mich zum „Unmenschen, der die arme Frau zwang zu tun, was sie nicht wollte“. Sie wohnte unter der Woche bei ihren Eltern in Niederösterreich, wo sie von Mutter und Großmutter betreut werden konnte und einen Garten zur Verfügung hatte, während ich den ganzen Tag in der Arbeit war. Das ersparte eine teure Heimhilfe, an den Unkosten, die die Eltern hatten beteiligte ich mich.
Am Wochenende holte ich meine Frau entweder nach Wien, wo sie nur eine Wohnung ohne Lift zur Verfügung hatte, oder kam zu ihren Eltern.
Wir unternahmen Ausflüge oder verbrachten die Zeit einfach so an der frischen Luft.

3 Jahre nach der Eheschließung kam völlig unerwartet ein Anwaltsschreiben. Meine Frau hatte die Scheidung eingereicht. Grund: Vernachlässigung im Krankheitsfall.
In einem der vielen Gespräche wurde mir mitgeteilt, dass ich ja nur geheiratet worden war, um dem Elternhaus zu entfliehen und jetzt saß man erst wieder dort fest.
Der Auftritt vor der Scheidungsrichterin im Rollstuhl wirkte. Ich wurde schuldhaft geschieden und konnte für die kommenden 10 Jahre jegliche finanziellen Extras abschreiben.

Aber ich gebe so schnell nicht auf und lernte im Zweitjob, der notwendig wurde, um das erforderliche Geld aufzutreiben, eine junge Frau kennen. Auch hier läuteten die Hochzeitsglocken rasch. Bei einem Besuch bei meiner Ex-Frau eröffnete diese mir schließlich, dass die Scheidung ein Fehler gewesen sei und sie mich wieder heiraten wolle. Den Ring an meinem Finger hatte sie scheinbar übersehen …

Im Jahr nach der zweiten Eheschließung kam der erste Sohn zur Welt. Ich durfte selbst die Nabelschnur durchtrennen und den kleinen Mann das erste Mal baden. Ich ging völlig auf in der Rolle als Vater. 2 ½ Jahre später kam der zweite Sohn zur Welt. Diesmal nicht komplikationslos mit Not-Kaiserschnitt und für eine Weile pendelte ich zwischen Gattin in der Geburtsstation und Kind im Inkubator in der Kinderklinik hin und her. Bald schon waren alle 4 aber wieder vereint.

Die Jahre vergingen, die Kinder wuchsen heran und alles schien für die Ewigkeit zu sein. Bis ich eine Frau kennen lernte, die mir sofort den Kopf verdrehte. Ehrlich wie ich bin gestand ich dies meiner Frau und es folgte, was folgen musste, sie reichte nach 16 Ehejahren die Scheidung ein.

Hatte ich bei der ersten Scheidung gemeint, die wäre teuer gewesen, wurde ich nun eines Besseren belehrt. 2 minderjährige Kinder und ein großer Einkommensunterschied bedeuteten einen gewaltigen Einkommensverlust für wiederum 10 Jahre.

Die Söhne lebten abwechselnd bei der Mutter und mir und akzeptierten die neue Frau an meiner Seite.

Diesmal dauerte es 3 Jahre, bis ich wieder vor einem Standesbeamten erschien. Bei den Glückwünschen raunten mir erstaunlich viele Menschen ins Ohr, dass es mein letzter Fehler sein würde, diese Frau jemals zu verlassen.

Was soll ich sagen?

2021 werden wir unseren 10. Hochzeitstag begehen.
So, wie es uns die Corona-Maßnahme erlauben.
Wir sind, man glaubt es nicht, immer noch so verliebt, wie am ersten Tag.
Klingt romantisch – ist es auch!